Familienwappen erstellen · Ratgeber

Ein eigenes Wappen nach den Regeln der Heraldik entwerfen

Ein Wappen selbst zu entwerfen ist einfacher, als viele denken, wenn man die Grundregeln kennt. Dieser Ratgeber erklärt den Aufbau eines Wappens, die wichtige Farbregel, die traditionelle Bildsprache und den ganzen Weg vom ersten Einfall bis zum fertigen, sauber beschriebenen Schildbild.

Was Heraldik meint

Die Heraldik gibt dem Wappen seine Ordnung

Ein Wappen ist kein beliebiges Logo, sondern folgt einer jahrhundertealten Bildsprache. Diese Lehre von Aufbau und Gestaltung der Wappen nennt man Heraldik. Wer ein Wappen entwirft, arbeitet mit festen Bausteinen, mit einer eigenen Fachsprache und mit Regeln, die seit dem Mittelalter erstaunlich stabil geblieben sind.

Der Reiz liegt genau in dieser Klarheit. Ein gutes Wappen ist auch aus der Ferne erkennbar, es funktioniert einfarbig gestickt ebenso wie in voller Farbe und es lässt sich in wenigen Worten eindeutig beschreiben. Diese Beschreibung heisst Blasonierung und ist so präzise, dass zwei Menschen aus demselben Text dasselbe Bild zeichnen können.

Viele Familien suchen daher nach der Kombination „familienwappen selbst gestalten heraldik“, weil sie ein Zeichen mit Bestand wollen und nicht nur eine modische Grafik. Der ausführliche Ratgeber zum Familienwappen ordnet die einzelnen Schritte ein, dieser Beitrag zeigt die Grundregeln des Entwurfs.

Aufbau

Woraus ein vollständiges Wappen besteht

Ein Vollwappen setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Der Schild ist der Kern, alles andere ordnet sich ihm unter und darf ihn nie überdecken.

Der SchildDas Herzstück jedes Wappens. Hier liegen Farben und Figuren, die eine Familie kennzeichnen.
Der HelmÜber dem Schild sitzt der Helm mit den Helmdecken, die ihn schwungvoll einrahmen.
Die HelmzierDas Zeichen auf dem Helm, oft eine Feder, ein Tier oder ein Gegenstand aus dem Schildbild.
Die DeviseEin Wahlspruch auf einem Band ist möglich, aber kein Pflichtteil des Wappens.

Wer ein familienwappen selbst gestalten heraldik-gerecht angehen will, beginnt immer beim Schild. Erst wenn das Schildbild steht, kommen Helm und Helmzier hinzu. Ein häufiger Anfängerfehler ist, den Schild mit zu vielen Motiven zu überladen, sodass aus der Ferne nichts mehr zu erkennen ist.

Eine gute Faustregel lautet, so wenige Figuren wie möglich zu verwenden. Ein einziges klares Bild wirkt stärker als eine Ansammlung kleiner Details und bleibt auch dann lesbar, wenn das Wappen nur wenige Zentimeter gross gedruckt wird.

Die wichtigste Regel

Die Farbregel entscheidet über die Lesbarkeit

Die Heraldik kennt nur wenige Grundfarben, die sie in Metalle und Farben einteilt. Zu den Metallen zählen Gold und Silber, zu den Farben Rot, Blau, Grün, Schwarz und Purpur. Aus dieser überschaubaren Palette entsteht die typische Wirkung.

Die zentrale Vorschrift ist die Farbregel. Sie besagt, dass niemals Farbe auf Farbe und niemals Metall auf Metall gesetzt werden darf. Ein rotes Motiv gehört also auf goldenen oder silbernen Grund, nicht auf einen blauen. Diese Regel sorgt dafür, dass ein Wappen selbst bei schlechtem Licht kontrastreich bleibt.

  • Gold und Silber gelten als Metalle und wirken hell und klar
  • Rot, Blau, Grün, Schwarz, Purpur sind die klassischen Farben
  • Farbe nie auf Farbe, damit der Kontrast erhalten bleibt
  • Metall nie auf Metall, sonst verschwimmt das Bild
  • Wenige Elemente halten das Wappen über Jahrhunderte lesbar

Schritt für Schritt

So gehen Sie den eigenen Entwurf an

Am Anfang steht die Frage, was die Familie ausmacht. Ein Beruf, eine Landschaft, ein Handwerk oder ein sprechendes Zeichen zum Familiennamen liefern oft die beste Grundlage. Ein Bauer mag eine Getreideähre wählen, eine Familie am Wasser einen Wellenbalken.

Danach legen Sie die Farben nach der Farbregel fest und prüfen, ob das Bild auch stark verkleinert noch wirkt. Ein einfacher Test ist, den Entwurf in Graustufen zu betrachten, denn erst dann zeigt sich, ob der Kontrast trägt.

Wenn der Schild steht, formulieren Sie die Blasonierung, also die genaue Beschreibung in heraldischer Fachsprache. Damit ist Ihr Zeichen eindeutig festgehalten und kann später jederzeit originalgetreu nachgezeichnet werden. Wer sich bei der Kombination „familienwappen selbst gestalten heraldik“ unsicher fühlt, kann den Entwurf von einem Heraldiker prüfen lassen, bevor er ihn festlegt.

Häufige Stolpersteine

Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Der häufigste Fehler beim eigenen Entwurf ist die Überladung. Wer alles, was der Familie wichtig ist, in einem einzigen Schild unterbringen will, erhält am Ende ein unruhiges Bild, das aus der Ferne nichts mehr aussagt. Ein Wappen lebt von der Reduktion auf das Wesentliche.

Ein zweiter Fehler ist das Missachten der Farbregel. Ein blaues Motiv auf grünem Grund mag am Bildschirm noch gehen, gestickt oder in Schwarzweiss gedruckt verschwimmt es jedoch. Wer sich früh an die überlieferten Kontraste hält, spart sich später den Ärger über ein Wappen, das nur in einer einzigen Darstellung funktioniert.

Ebenfalls beliebt ist der Griff zu naturalistischen Bildern. Die Heraldik arbeitet mit stilisierten, flächigen Formen und nicht mit fein schattierten Zeichnungen. Ein flächiger Löwe in klarer Silhouette wirkt heraldisch richtig, eine fotorealistische Raubkatze dagegen fremd.

Nehmen Sie sich schliesslich Zeit. Ein Wappen soll über Generationen Bestand haben, deshalb lohnt es sich, einen Entwurf einige Wochen liegen zu lassen und danach mit frischem Blick zu prüfen, ob er wirklich trägt.

Vom Entwurf zum Bild

Wie aus der Idee eine saubere Vorlage wird

Steht das Schildbild fest, geht es an die Umsetzung. Zeichnen Sie die Figuren flächig und klar, ohne Verläufe und feine Schatten, denn die Heraldik denkt in eindeutigen Flächen. Ein gutes Wappen lässt sich mit wenigen Strichen nachzeichnen und bleibt dabei unverkennbar.

Prüfen Sie den Entwurf in mehreren Grössen. Was auf einem grossen Blatt gut aussieht, muss auch als kleines Siegel oder auf einem Briefkopf funktionieren. Verkleinern Sie das Bild testweise stark und schauen Sie, ob die Figuren noch auseinanderzuhalten sind.

Halten Sie zum Schluss beides fest, die Zeichnung und die Blasonierung in Worten. Die schriftliche Beschreibung ist der eigentliche Kern, denn aus ihr lässt sich das Wappen jederzeit neu und stilistisch frei zeichnen. So bleibt Ihr Zeichen erhalten, auch wenn sich der Geschmack der Zeit ändert.

Wer möchte, lässt den fertigen Entwurf am Ende von einem Heraldiker gegenprüfen und in eine Wappenrolle eintragen. Damit ist das selbst gestaltete Wappen sauber dokumentiert und kann mit Stolz an die nächste Generation weitergegeben werden.

Zum ausführlichen Ratgeber Familienwappen erstellen

Den großen Überblick mit allen Wegen zum eigenen Wappen finden Sie im Hauptartikel.

Häufige Fragen

Fragen rund um das Thema

Braucht ein Wappen zwingend einen Helm?
Nein. Ein Wappen kann auch nur aus dem Schild bestehen. Helm und Helmzier sind Ergänzungen, die das Vollwappen ausmachen, aber kein Muss sind.
Warum sind so wenige Farben erlaubt?
Die Beschränkung auf wenige Metalle und Farben stammt aus einer Zeit ohne Druck. Sie sorgt dafür, dass ein Wappen aus der Ferne und in jeder Grösse erkennbar bleibt.
Was ist eine Blasonierung?
Die Blasonierung ist die Beschreibung eines Wappens in heraldischer Fachsprache. Aus ihr lässt sich das Bild eindeutig rekonstruieren, unabhängig vom Zeichenstil.
Darf ich moderne Symbole verwenden?
Grundsätzlich ja, solange die Grundregeln eingehalten werden. Ein klares, einfaches Motiv wirkt jedoch meist besser als ein sehr detailreiches modernes Zeichen.
Kann ich mein Wappen später ändern?
Solange es nicht offiziell in einer Wappenrolle eingetragen ist, können Sie frei gestalten. Nach einer Eintragung gilt das Wappen als festgelegt und wird so überliefert.