Industriebodensanierung · Ratgeber
Sicherer Halt auf dem Hallenboden
Ein Boden muss nicht nur belastbar, sondern auch sicher begehbar sein. Wo Öl, Wasser oder Späne auf den Boden gelangen, entscheidet die Rutschhemmung über die Sicherheit am Arbeitsplatz. Dieser Ratgeber hat die Rutschhemmung Industrieboden R-Klassen erklaert und ordnet ein, welche Rutschklasse zu welchem Arbeitsbereich passt.
Grundlagen
Was die R-Klassen aussagen
Die Rutschhemmung von Bodenbelägen wird in sogenannte R-Gruppen eingeteilt, die von R9 bis R13 reichen. Je höher die Zahl, desto größer der Neigungswinkel, bei dem der Belag im Prüfverfahren noch sicheren Halt bietet. R9 steht für eine geringe, R13 für eine sehr hohe Rutschhemmung.
Ergänzt wird die R-Gruppe in bestimmten Nassbereichen durch den sogenannten Verdrängungsraum, der mit dem Buchstaben V und einer Zahl angegeben wird. Er beschreibt, wie viel Flüssigkeit oder Schmutz die Oberfläche unter der Trittebene aufnehmen kann, ohne dass der Halt verloren geht.
Damit die Rutschhemmung Industrieboden R-Klassen erklaert nicht abstrakt bleibt, hilft der Bezug zur Praxis. Die Einstufung hängt vom Arbeitsbereich und den dort auftretenden Stoffen ab. Wie die Auswahl in den gesamten Aufbau eines Bodens passt, zeigt der übergeordnete Ratgeber zur Industriebodensanierung.
Die R-Gruppen stammen aus einem genormten Prüfverfahren, bei dem eine Person auf einer geölten, kippbaren Fläche steht. Der Winkel, ab dem sie ins Rutschen gerät, bestimmt die Einstufung. Dieses Verfahren liefert einen guten Vergleichswert, ersetzt aber nicht den gesunden Blick auf den konkreten Arbeitsplatz und die dort auftretenden Stoffe.
Einordnung
Welche Klasse für welchen Bereich
Die folgende Einordnung gibt eine Orientierung. Die verbindliche Zuordnung für einen konkreten Arbeitsbereich ergibt sich aus den einschlägigen Regeln und der Gefährdungsbeurteilung.
Wichtig ist, dass eine höhere Klasse nicht automatisch die bessere Wahl ist. Ein sehr stark profilierter Boden bietet zwar viel Halt, ist dafür aber schwerer zu reinigen und kann Schmutz festhalten. Die Kunst liegt darin, gerade so viel Profil zu wählen, wie der Bereich wirklich braucht.
Erreicht wird die gewünschte Klasse bei einer Beschichtung über das Einstreuen von Quarzsand oder Korund in unterschiedlicher Körnung. Über die Menge und Größe des Einstreuguts lässt sich die Griffigkeit fein einstellen.
Zu beachten ist außerdem, dass die im Labor ermittelte Klasse und der Zustand im Betrieb auseinanderfallen können. Eine polierte, fettige oder mit Staub belegte Oberfläche ist im Alltag rutschiger als das frisch verlegte Muster. Regelmäßige Reinigung ist deshalb ein Teil der Rutschsicherheit und nicht nur eine Frage der Optik. Ein durchdachtes Reinigungskonzept gehört damit von Anfang an zur Planung des Bodens dazu und sollte gemeinsam mit der Rutschklasse festgelegt werden.
Auswahl
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Bei der Festlegung der richtigen Griffigkeit spielen mehrere Faktoren zusammen, die man vorab klären sollte.
- ✓Art der Stoffe auf dem Boden, also Wasser, Öl, Fett oder Späne
- ✓Häufigkeit der Verschmutzung und wie schnell gereinigt wird
- ✓Barfuß- oder Schuhbereich, denn dafür gelten unterschiedliche Maßstäbe
- ✓Reinigungsaufwand, weil mehr Profil auch mehr Pflege bedeutet
- ✓Gefährdungsbeurteilung des Betriebs als verbindliche Grundlage
Barfuß und Nass
Sonderfall nasse und barfuß begangene Bereiche
Neben den R-Gruppen für Bereiche mit Schuhwerk gibt es eine eigene Bewertung für nassbelastete Barfußbereiche, etwa in Umkleiden, Duschen oder an Beckenrändern. Diese werden in die Klassen A, B und C eingeteilt, wobei C den höchsten Halt für stark geneigte, nasse Flächen bietet.
In gewerblichen und industriellen Hallen spielt diese Barfußbewertung nur selten eine Rolle, doch in angrenzenden Sozial- und Sanitärräumen ist sie durchaus relevant. Wer ein Gebäude ganzheitlich saniert, sollte diese Bereiche deshalb mitdenken und nicht nur die Produktionsfläche betrachten.
Auch der Übergang zwischen zwei Bereichen verdient Aufmerksamkeit. Wechselt man von einem trockenen in einen häufig nassen Bereich, ist ein sauber abgestufter Übergang wichtig, damit niemand auf einer plötzlich glatten Stelle ausrutscht. Solche Details entscheiden im Alltag oft mehr als die reine Klassenzahl.
Zusammenspiel
Sicherheit und Reinigung im Gleichgewicht
Wer die Rutschhemmung Industrieboden R-Klassen erklaert hat, erkennt schnell, dass Rutschsicherheit und Reinigungsfreundlichkeit gegenläufige Ziele sein können. Ein guter Bodenaufbau bringt beides in ein sinnvolles Gleichgewicht, das zum Alltag im Betrieb passt.
Deshalb lohnt es sich, die Rutschklasse nicht isoliert zu betrachten, sondern gemeinsam mit dem Reinigungskonzept und der geplanten Nutzung. Ein Fachbetrieb kann Musterflächen anlegen, auf denen sich die gewählte Griffigkeit vor der endgültigen Ausführung im Betrieb erproben lässt.
Ein weiterer Gedanke betrifft die Haltbarkeit der Griffigkeit. Ein eingestreutes Profil nutzt sich in stark befahrenen Fahrspuren mit der Zeit ab, während es in ruhigen Randzonen erhalten bleibt. Bei der Planung lohnt es sich deshalb, stark beanspruchte Wege gesondert zu betrachten und dort gegebenenfalls eine robustere Einstreuung zu wählen.
Am Ende ist die passende Griffigkeit immer eine Abwägung aus Sicherheit, Reinigungsaufwand und Haltbarkeit. Wer diese drei Punkte gemeinsam mit dem Fachbetrieb durchgeht und die tatsächliche Nutzung ehrlich beschreibt, findet eine Lösung, die im Betrieb wirklich trägt und nicht nur auf dem Papier stimmt. So wird aus einer trockenen Kennzahl ein Boden, auf dem die Beschäftigten Tag für Tag sicher unterwegs sind.
Zum ausführlichen Ratgeber Industriebodensanierung
Wie die Rutschklasse mit Beschichtung und Untergrund zusammenhängt, erfahren Sie im ausführlichen Hauptartikel.
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Häufige Fragen
